{"id":485,"date":"2018-11-19T19:19:24","date_gmt":"2018-11-19T19:19:24","guid":{"rendered":"http:\/\/quellen.geschichte.uni-leipzig.de\/?p=485"},"modified":"2018-11-22T12:26:19","modified_gmt":"2018-11-22T12:26:19","slug":"siegfried-jenkner-die-fruehzeit-von-workuta-ein-ueberblick-aus-berichten-und-dokumenten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quellen.geschichte.uni-leipzig.de\/?p=485","title":{"rendered":"Siegfried Jenkner Die Fr\u00fchzeit von Workuta &#8211; ein \u00dcberblick aus Berichten und Dokumenten"},"content":{"rendered":"<h2>Einleitung<\/h2>\n<p>Workuta ist die in Deutschland wohl bekannteste \u201eInsel\u201c des <strong>\u201eArchipels GULAG<\/strong>\u201c, weil nach dem Zweiten Weltkrieg viele Deutsche in dieses Steinkohle-Revier in der nord\u00f6stlichen Ecke Europas zwischen Ural und Eismeer deportiert wurden und sp\u00e4ter dar\u00fcber berichtet haben. Bei ihnen handelte es sich zun\u00e4chst vor allem um Kriegsgefangene, die wegen angeblicher oder tats\u00e4chlicher Kriegs- und Gewaltverbrechen verurteilt worden waren und ihre Strafe in allgemeinen sowjetischen Zwangsarbeitslagern verb\u00fc\u00dfen mussten &#8211; und zwar zumeist in Workuta. 1950 wurden die Kriegsgefangenen jedoch aus diesen Straflagern abgezogen und in speziellen Kriegsgefangenenlagern in anderen Teilen der Sowjetunion zusammengefasst (1). Seit den endvierziger Jahren kamen dann zunehmend deutsche Zivilisten nach Workuta, die in der SBZ (Sowjetische Besatzungszone) und fr\u00fchen DDR von sowjetischen Milit\u00e4rtribunalen aus politischen Gr\u00fcnden verurteilt und zur Strafverb\u00fc\u00dfung in die Sowjetunion gebracht worden waren. Nach den Amnestien von 1953 und 1955 konnten sie in die DDR oder Bundesrepublik zur\u00fcckkehren (2).<\/p>\n<div id=\"attachment_495\" style=\"width: 1158px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-495\" class=\"size-full wp-image-495\" src=\"https:\/\/quellen.geschichte.uni-leipzig.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/text_jenkner.png\" alt=\"\" width=\"1148\" height=\"958\" srcset=\"https:\/\/quellen.geschichte.uni-leipzig.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/text_jenkner.png 1148w, https:\/\/quellen.geschichte.uni-leipzig.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/text_jenkner-300x250.png 300w, https:\/\/quellen.geschichte.uni-leipzig.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/text_jenkner-768x641.png 768w\" sizes=\"(max-width: 1148px) 100vw, 1148px\" \/><p id=\"caption-attachment-495\" class=\"wp-caption-text\">Der Wasserweg von Archangelsk nach Workuta vor Fertigstellung der Eisenbahnlinie Kotlas \u2013 Workuta<\/p><\/div>\n<p>Schon bald erschienen die ersten, von der noch frischen Erinnerung ge\u00adspeisten Berichte. Diese Welle von Ver\u00f6ffentlichungen lief dann in den sechziger Jahren langsam aus und wurde im Gefolge der Publikationen von Alexander Solschenizyn abgel\u00f6st durch Erinnerungsb\u00e4nde von sowjetischen und anderen ausl\u00e4ndischen H\u00e4ftlingen. Einen neuen und noch immer anhaltenden Aufschwung nahm die deutsche GULAG- und Workuta-Literatur seit den neunziger Jahren. Jetzt konnten sich auch die in die DDR zur\u00fcckgekehrten H\u00e4ftlinge zu Wort melden, au\u00dferdem er\u00f6ffnete sich mit der Rehabilitation der Zugang zu den sowjetischen Strafakten. Dies f\u00f6rderte die Bereitschaft der schon im fortgeschrittenen Alter stehenden Zeitzeugen, ihre Erlebnisse zu ver\u00f6ffentlichen und das eigene Schicksal mit Dokumenten zu belegen (3).<\/p>\n<p>Die vorliegenden Workuta-Erinnerungen behandeln fast ausschlie\u00dflich die Nachkriegszeit mit Schwergewicht auf den fr\u00fchen f\u00fcnfziger Jahren. Nur selten gehen die Autoren auch auf die Zeit davor ein, die sie nicht aus eigener Anschauung, sondern nur aus Berichten \u00fcberlebender Mith\u00e4ftlinge kannten. Lediglich der fr\u00fchere Direktor des Naturkundemuseums G\u00f6rlitz Helmut Schaefer hat sich nach seiner R\u00fcckkehr aus Workuta ausf\u00fchrlicher mit der Entstehung und Entwicklung des Kohlereviers und der Stadt befasst (4). Die wenigen fr\u00fchen Ver\u00f6ffentlichungen von russischen und ausl\u00e4ndischen Gefangenen sind bei uns leider fast ganz vergessen. In das Erinnern an Workuta m\u00fcssen aber auch die Anfangsjahre des Strafgebiets und das Leiden der damaligen H\u00e4ftlinge einbezogen werden; dazu bieten die alten Berichte sowie neuere russische Publikationen eine wertvolle Hilfe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong>Die Entdeckung und Erschlie\u00dfung der Bodensch\u00e4tze des Petschora-Beckens<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>2001 erschien in Moskau die Biographie des fr\u00fcheren Chefgeologen von Workuta, Konstantin G. Wojnowskij-Krieger, gemeinsam verfasst von seiner Tochter Ksenja K. Wojnowskaja und der GULAG-Historikerin Jelena W. Markowa (5). Das Buch verbindet eine wissenschaftliche Darstellung der Entdeckung und Erschlie\u00dfung des Kohle-Reviers mit der Schilderung der dortigen Lebens- und Arbeitsbedingungen unter GULAG-Regime und bietet wichtige Informationen \u00fcber die Fr\u00fchzeit Workutas.<\/p>\n<p>Die Bodensch\u00e4tze im Nordosten des europ\u00e4ischen Russlands waren seit langem bekannt. Bereits im 19.Jahrhundert hatten mehrere Expeditionen das Gebiet des Petschora-Flusses erforscht und dort Erd\u00f6l- und Kohlevorkommen festgestellt. Die zaristische Regierung war aber wegen der ung\u00fcnstigen geographischen und klimatischen Bedingungen in dieser abgelegenen Polarregion nicht zur Erschlie\u00dfung der Bodensch\u00e4tze bereit. Die junge Sowjetmacht ordnete bereits in der ersten H\u00e4lfte der zwanziger Jahre die Wiederaufnahme der Forschungsarbeiten an; mit der Entscheidung zur forcierten Industrialisierung des Landes erhielt dann das Projekt \u201eEroberung des Nordens\u201c hohe Priorit\u00e4t. 1928 wurde die weitere Erforschung und Erschlie\u00dfung des Petschora-Beckens der GULAG-Administration \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Im selben Jahr begann in der Sowjetunion die Verfolgung der naturwissenschaftlich-technischen Intelligenz und insbesondere der Geologen. 1929 wurde eine erste Schiffsladung verurteilter Wissenschaftler nach Norden an das Ufer der Uchta (eines Nebenflusses der in die Petschora m\u00fcndenden Ishma) gebracht. Das dort von den H\u00e4ftlingen errichtete Lager zur Erforschung der Region war der Anfang eines gro\u00dfen Lagergebiets zur Erschlie\u00dfung und F\u00f6rderung des hier gefundenen Erd\u00f6ls. In dieses Lager kam 1930 auch der Strafgefangene Wojnowskij-Krieger. Der junge Geologe war 1928 nach Abschluss seines Studiums in Leningrad zu Forschungsarbeiten nach Deutschland, Belgien und Frankreich geschickt worden. Nach seiner R\u00fcckkehr wurde er 1929 verhaftet und wegen &#8222;Unterst\u00fctzung der internationalen Bourgeoisie&#8220; (Art. 58, Abs.4 des Strafgesetzbuches) zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt.<\/p>\n<p>In der Biographie werden die extrem harten Bedingungen geschildert, unter denen die inhaftierten Wissenschaftler arbeiten mussten. Sie hausten in Erdh\u00fctten, wurden ungen\u00fcgend mit Nahrung und Kleidung versorgt; es gab kein geeignetes Schuhwerk f\u00fcr die geologischen Expeditionen durch Urwald und S\u00fcmpfe und in der kalten Jahreszeit nicht gen\u00fcgend Filzstiefel, Handschuhe und Wattekleidung. Die Folge waren Erfrierungen und Furunkulose, Erk\u00e4ltungskrankheiten und Rheumatismus. Wegen fehlender medizinischer Versorgung h\u00e4uften sich Arbeitsausf\u00e4lle. Sie sollten durch neue H\u00e4ftlingstransporte ausgeglichen werden, doch ein gro\u00dfer Teil der Neuank\u00f6mmlinge war ersch\u00f6pft und krank oder ungeeignet f\u00fcr die anfallenden Arbeiten. Unter diesen Bedingungen mussten die Gefangenen zudem unsinnige Normen f\u00fcr wissenschaftliche Ergebnisse erf\u00fcllen, anderenfalls drohten zus\u00e4tzliche Strafen wegen Sabotage.<\/p>\n<p>Trotz dieser Schwierigkeiten hatte . Wjnowskij-Krieger Erfolg bei seinen Erkundungen. F\u00fcr die Entdeckung eines bisher nicht bekannten Kohlevorkommens an der mittleren Petschora wurde ihm mit einigen Mith\u00e4ftlingen 1932 die Lagerhaft in unbefristete Verbannung im Petschoragebiet umgewandelt. Jetzt konnten die Forscher au\u00dferhalb des Lagers wohnen und sich in der Region frei bewegen &#8211; die Lagerverwaltung sparte zudem die Kosten f\u00fcr die Wachmannschaften bei den oft ausgedehnten geologischen Expeditionen.<\/p>\n<p>Im Mai 1931 wurde von Uchta aus eine Gruppe von Gefangenen auf dem Wasserweg weiter nach Norden geschickt. Nach zwei Monaten abenteuerlicher Flussfahrt erreichte sie ihr Ziel am Ufer der Workuta. Hier war ein Jahr zuvor festgestellt worden, dass hochwertige Steinkohle dicht unter der Erdoberfl\u00e4che lagert. Die Gefangenen legten am Fluss ein Lager aus Erdh\u00fctten an, das den Namen Rudnik (Bergwerk) erhielt. Aus ihm entstand 1937 der Ort Workuta, der 1943 Stadtrecht erhielt. In der ersten H\u00e4lfte der drei\u00dfiger Jahre wurde unter primitivsten Verh\u00e4ltnissen das Gebiet systematisch erkundet, mit dem Bau von Probesch\u00e4chten begonnen und die erste Kohle gef\u00f6rdert. Der 1. September 1934 gilt mit der Einweihung des Schachtes Nr.1-2 als offizieller Geburtstag des Workutaer Kohlereviers.<\/p>\n<p>1936 wurde Wojnowskij-Krieger nach Workuta versetzt, wo er zun\u00e4chst die geologische Erforschung des Petschora-Beckens leitete und ab 1941 als Chefgeologe des Kohlekombinats Workuta wirkte. Seine Mitarbeiter waren zumeist gefangene Wissenschaftler, f\u00fcr die er sich sehr einsetzte; er erreichte u.a. ihre Teilnahme an geologischen Expeditionen ohne begleitende Wachmannschaft. Nach Stalins Tod wurde Wojnowskij-Krieger 1953 vollst\u00e4ndig rehabilitiert; 1956 verlie\u00df er Workuta zur \u00dcbernahme einer Professur in der kasachischen Hauptstadt Alma-Ata. Dort ist er 1979 verstorben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong>Der Weg nach Workuta<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Das Hauptproblem der Entwicklung des Kohle-Reviers war &#8211; neben den extrem harten Lebens- und Arbeitsbedingungen in dieser Polar- und Permafrostregion &#8211; der Transport von Menschen und Material nach Workuta und der Abtransport der Kohle von dort. Zun\u00e4chst musste alles langwierig und umst\u00e4ndlich auf dem Wasserweg transportiert werden: von Archangelsk mit Seeschiffen durch das Wei\u00dfe Meer und die Barentsee zum Hafen Narjan-Mar an der M\u00fcndung der Petschora in das Eismeer, von dort mit Lastk\u00e4hnen die Petschora und Ussa flussaufw\u00e4rts bis zur M\u00fcndung der nicht schiffbaren Workuta. Als Ende der drei\u00dfiger Jahre die geplante Eisenbahnlinie nach Workuta den Oberlauf der Petschora erreicht hatte, ging ein Teil der Transporte von dort flussabw\u00e4rts und dann die Ussa wieder flussaufw\u00e4rts. An der M\u00fcndung der Workuta wurde der Umschlagplatz Workuta-Wom angelegt, von dem die G\u00fcter im Winter auf dem zugefrorenen Fluss mit Pferdeschlitten zu den etwa sechzig Kilometer entfernten Kohlesch\u00e4chten gebracht wurden. Die H\u00e4ftlinge mussten den Weg zu Fu\u00df zur\u00fccklegen, im Sommer durch die sumpfige Tundra, im Winter auf dem Eis des Flusses. Ab 1934 \u00fcbernahm eine Schmalspurbahn den Transport von Menschen und Material, nachdem die Geologen in m\u00fchevoller Arbeit eine Trasse durch das Sumpfgel\u00e4nde projektiert hatten.<\/p>\n<p>In den vorliegenden deutschsprachigen GULAG-Erinnerungen gibt es zwei Berichte \u00fcber das fr\u00fche Workutaer Kohlerevier und den Weg dorthin. Der eine stammt von der Finnin Aino Kuusinen, der Frau des Mitgr\u00fcnders der finnischen KP und sp\u00e4teren hohen Komintern- und Sowjetfunktion\u00e4rs Otto Kuusinen. Sie war von 1939 bis 1946 als Gefangene in Workuta, wurde 1949 erneut verhaftet und kam bis 1955 in den mordwinischen Lagerbezirk Potma. Erst 1965 konnte sie nach Finnland zur\u00fcckkehren; dort hat Wolfgang Leonhard sie zur Niederschrift ihrer Erinnerungen angeregt, deren deutsche Fassung er 1972 in \u00d6sterreich herausgab (6). Den anderen Bericht hat die Polin Marta Rudzka geschrieben, die 1940 im sowjetisch besetzten Ostpolen verhaftet und im Fr\u00fchjahr 1941 nach Workuta gebracht wurde. Sie hatte Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Nach Beginn des deutsch-sowjetischen Krieges wurde sie im Herbst 1941 amnestiert, um sich der von General Anders in der Sowjetunion aufgestellten polnischen Exilarmee anschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Mit ihr hat sie 1942 das Land in Richtung Persien verlassen. (Die Anders-Armee wurde nicht an der sowjetischen Front eingesetzt, sondern k\u00e4mpfte mit den Westalliierten in Italien.) Marta Rudzka hat ihre Hafterinnerungen 1946 in Rom in polnischer Sprache ver\u00f6ffentlicht; eine deutsche \u00dcbersetzung erschien 1948 in der Schweiz (7). Es ist das erste Buch in deutscher Sprache \u00fcber Workuta.<\/p>\n<div class=\"su-pullquote su-pullquote-align-left\">&#8222;Unser Kahn wird zwei Wochen nach Norden geschleppt. Morgens bekommen wir rohen Fisch und abgekochtes Flusswasser. Abends manchmal etwas Gerstenbrei. Dieser Fisch ist etwas Abscheuliches&#8230; Es kann ihn auch nicht jeder vertragen, so dass eine Epidemie von Diarrh\u00f6e einsetzt. Auch bekommen wir jetzt Zwieback statt Brot, einen besonders harten Schiffszwieback, je drei St\u00fccke alle vierundzwanzig Stunden. Ihn zu essen ist \u00e4u\u00dferst anstrengend. Zuerst muss man ihn in ganz kleine St\u00fccke zerbrechen, und er ist so hart, dass man Blasen an den H\u00e4nden davon bekommt. Dann m\u00fcssen die St\u00fcckchen zuerst in hei\u00dfem Wasser aufgeweicht oder noch weiter zerkr\u00fcmelt und dann im Mund stundenlang gekaut werden, bis man sie schlucken kann. Unsere Gaumen und Kiefer sind nach ein paar Tagen ganz wund, und eine Menge kalkarmer Z\u00e4hne gehen dabei drauf.&#8220;<\/div>Marta Rudzka hat anschaulich die Flussfahrt auf der Petschora und Ussa beschrieben; den Beginn schildert sie so: &#8222;Wir sind ungef\u00e4hr dreihundertf\u00fcnfzig Frauen und die Verschiffung nimmt kein Ende&#8230; Der Kahn ist durch eine Bretterwand in zwei Abteile geteilt. Das zweite wird von den M\u00e4nnern bev\u00f6lkert&#8230;Es ist \u00fcberf\u00fcllt, dunkel und so eng, dass man nicht aufrecht sitzen kann. Aber ich habe keine Kraft mehr, dar\u00fcber zu verzweifeln&#8230; Der Krach, die \u00dcberf\u00fcllung, die Abf\u00e4lle, die uns von den oberen Bunkern (Pritschen) aus dauernd auf den Kopf geworfen werden, die j\u00e4he feuchte K\u00e4lte, die vom Grund des Kahns aufsteigt, die Kr\u00e4tze, die L\u00e4use und die M\u00fccken lassen mich v\u00f6llig unger\u00fchrt. Ich ziehe mir meine Decke \u00fcber den Kopf und schlafe ein.&#8220; (S.112 ff.)<\/p>\n<p>\u00dcber die Reise selbst schreibt sie: &#8222;Unser Kahn wird zwei Wochen nach Norden geschleppt. Morgens bekommen wir rohen Fisch und abgekochtes Flusswasser. Abends manchmal etwas Gerstenbrei. Dieser Fisch ist etwas Abscheuliches&#8230; Es kann ihn auch nicht jeder vertragen, so dass eine Epidemie von Diarrh\u00f6e einsetzt. Auch bekommen wir jetzt Zwieback statt Brot, einen besonders harten Schiffszwieback, je drei St\u00fccke alle vierundzwanzig Stunden. Ihn zu essen ist \u00e4u\u00dferst anstrengend. Zuerst muss man ihn in ganz kleine St\u00fccke zerbrechen, und er ist so hart, dass man Blasen an den H\u00e4nden davon bekommt. Dann m\u00fcssen die St\u00fcckchen zuerst in hei\u00dfem Wasser aufgeweicht oder noch weiter zerkr\u00fcmelt und dann im Mund stundenlang gekaut werden, bis man sie schlucken kann. Unsere Gaumen und Kiefer sind nach ein paar Tagen ganz wund, und eine Menge kalkarmer Z\u00e4hne gehen dabei drauf.&#8220; (S.115)<\/p>\n<p>Dann notiert sie \u00fcber die Hygiene an Bord: &#8222;Das Waschen ist wirklich eine ganz gef\u00e4hrliche Sache. Wir besitzen einen einzigen Eimer, mit dem wir von unserem \u201eDeck\u201c-Sektor aus Wasser heraufholen. Es ist \u00fcberhaupt keine Reeling da und das Deck ist ein ewig nasses schr\u00e4gliegendes Brett und so schmal, dass zwei Personen nur mit M\u00fche zusammen darauf stehen k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen in unserem Sektor beim Bug bleiben, der auch die Latrine enth\u00e4lt und l\u00e4cherlich klein ist f\u00fcr dreihundertf\u00fcnfzig Frauen, die alle sich und ihre Kleider waschen wollen. Die Latrine ist eine flache H\u00fctte, die nach dem Wasser zu offen ist&#8230; Sie hat nur vier L\u00f6cher, aber immer dr\u00e4ngen sich sechs Frauen gleichzeitig hinein, w\u00e4hrend sechzig andere schubsend und sto\u00dfend warten, bis sie an der Reihe sind &#8230; Unsere uniformierten Wachen beobachten uns vom oberen Deck aus ohne eine Spur von Verlegenheit oder Interesse. Wir H\u00e4ftlinge sind in ihren Augen keine Menschen, sondern einfach Vieh.&#8220; (S.119)<\/p>\n<p>Von der Workuta-M\u00fcndung werden die Frauen mit der Schmalspurbahn auf offenen G\u00fcterwagen weiter transportiert; den letzten Teil des Weges zu ihrem Lager m\u00fcssen sie dann zu Fu\u00df laufen: &#8222;Nun treiben sie uns \u00fcber die Tundra, durch scharfes Gras, das uns die Beine zerschneidet, durch Preiselbeergestr\u00fcpp, durch S\u00fcmpfe, Heidekraut und Moor&#8230; Ich wei\u00df nicht, wieviel Kilometer es sind, in Wirklichkeit wahrscheinlich nicht mehr als f\u00fcnfzehn. Aber f\u00fcnfzehn Kilometer von diesem Stolpern, Versinken, Sich-wieder-Aufraffen sind so viel wie f\u00fcnfzig auf einer normalen Stra\u00dfe. Von Hunger geschw\u00e4cht, von der Last unserer B\u00fcndel, die mit jedem Schritt dr\u00fcckender wird, gebeugt, blutig geschrammt von den scharfen Reisern, oft bis zum Knie im Schlamm, bewegen wir uns mit dem Aufwand unserer letzten Kraft vorw\u00e4rts.&#8220; (S.126)<\/p>\n<p>Aino Kuusinen begann ihre viermonatige Schiffsreise nach Norden im Mai 1939 in Kotlas auf einem alten Raddampfer, der die n\u00f6rdliche Dwina flussabw\u00e4rts nach Archangelsk fuhr. Dort wurden die f\u00fcr die weitere Seereise zu kranken und schwachen H\u00e4ftlinge einfach hinter einem Hafenschuppen erschossen. Nach der Ankunft in Narjan-Mar ging es dann auf einem Lastkahn die Petschora und Ussa flussaufw\u00e4rts. Die 39 Frauen des Transports mussten an Deck kampieren; in den Laderaum mit vierst\u00f6ckigen Pritschen wurden 1.900 M\u00e4nner gepfercht. An Bord assistierte Aino Kuusinen als gelernte Krankenschwester einer ebenfalls gefangenen \u00c4rztin. \u00dcber einen Besuch in dem dunklen Laderaum berichtet sie: &#8222;&#8230; unter dem Schutz mehrerer Aufseher versuchten wir, die Kranken ausfindig zu machen. Ungl\u00fccklicherweise konnten wir jedoch wegen der Finsternis wenig helfen. Die Situation schien hoffnungslos, und der f\u00fcrchterliche Gestank war kaum zu ertragen. Wir waren schlie\u00dflich froh, lebendig wieder an die frische Luft zu gelangen.&#8220; Sie f\u00e4hrt dann fort: &#8222;Obgleich sich in den folgenden Tagen und Wochen die Lage etwas besserte, weil ein Teil der Gefangenen an Land gebracht und in die Lager an den Ufern der Petschora geschafft wurde, mussten zum Schluss viele Insassen des Laderaums &#8230;als Leichen an Land getragen werden.&#8220; (S.220)<\/p>\n<p>Nach einem Zwischenaufenthalt in Kotschmes, dem Umschlagplatz f\u00fcr die Lager in Inta und Abbes, erreichte Aino Kuusinen im folgenden Winter nach einem dreiw\u00f6chigen Fu\u00dfmarsch auf dem Eis der Ussa die Workutam\u00fcndung und von dort mit der Schmalspurbahn das Ziel Workuta.<\/p>\n<p>Mit dem weiteren Ausbau des Kohle-Reviers erwiesen sich der lange und nicht ganzj\u00e4hrig nutzbare Wasserweg sowie die Schmalspurbahn als v\u00f6llig unzureichend. Deshalb beschloss die sowjetische Regierung 1936 den Bau einer \u00fcber 1000 km langen Eisenbahnlinie von Kotlas nach Workuta. Dies brachte den Geologen zus\u00e4tzliche Belastungen: sie mussten in dem unwegsamen und \u00fcber weite Strecken sumpfigen Gel\u00e4nde eine geeignete Trasse f\u00fcr die mehrfach ge\u00e4nderte Linienf\u00fchrung finden. Beim Bahnbau wurden neben russischen H\u00e4ftlingen ab Herbst 1939 auch polnische Kriegsgefangene eingesetzt, die unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten mussten. Es hei\u00dft, dass unter jeder Schwelle ein Toter liege. Mit Beginn des deutsch-russischen Krieges wurde der Bahnbau nochmals forciert; im Dezember 1941 war er beendet und Workuta an das russische Eisenbahnnetz angeschlossen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li><strong>Die Lebens- und Arbeitsbedingungen in Workuta<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>W\u00e4hrend ihrer Haftzeit in Workuta hat Aino Kuusinen als Krankenschwester in verschiedenen Lagern gearbeitet und so einen umfassenden Einblick in die Arbeits- und Lebensbedingungen der H\u00e4ftlinge und in die gesundheitlichen Auswirkungen erhalten. Die meisten litten an Unterern\u00e4hrung und Vitaminmangel, weil die t\u00e4gliche Essensration v\u00f6llig unzureichend war f\u00fcr die schwere zehn- bis zw\u00f6lfst\u00fcndige Arbeit im Bergwerk: morgens Haferbrei, abends eine d\u00fcnne Suppe, au\u00dferdem 800 Gramm w\u00e4ssriges Brot, weder Kartoffeln noch Gem\u00fcse. Wurde die Arbeitsnorm nicht erf\u00fcllt, gab es den \u201eStrafkessel\u201c mit nur 200 Gramm Brot. Aino Kuusinen res\u00fcmiert lapidar: &#8222;In Anbetracht der \u00e4u\u00dferst anstrengenden Arbeit, die man die M\u00e4nnern abverlangte, konnten sie bei dieser Ern\u00e4hrung nicht lange am Leben bleiben.&#8220;(S.236)<\/p>\n<p>Bei ihrer T\u00e4tigkeit auf einer chirurgischen Krankenstation erlebte sie, wie sich wegen der v\u00f6llig ungen\u00fcgenden Sicherheitsvorschriften die Zahl der Unf\u00e4lle mit jedem neu er\u00f6ffneten Schacht erh\u00f6hte. Als \u201eTodeskommando\u201c war bei den Gefangenen die Abordnung in Au\u00dfenlager zum Eisenbahnbau gef\u00fcrchtet. Dazu schreibt Aino Kuusinen: &#8222;Nur eine kleine Minderheit kehrte vom Bahnbau wieder zur\u00fcck, und diese berichteten dann von dem traurigen Schicksal ihrer Leidensgenossen, die wochenlang dort bleiben mussten. Die Ern\u00e4hrung war unbeschreiblich knapp und niemand sorgte f\u00fcr die Erkrankten. Fiel einer vor Schw\u00e4che um und konnte nicht wieder aus eigener Kraft aufstehen, wurde er ohne viel Aufhebens erschossen.&#8220; (S.240)<\/p>\n<p>F\u00fcr den russischen Journalisten Michail Rosanow war seine elfj\u00e4hrige Haft von 1930 bis 1941 eine Odyssee durch die nordrussische Lagerwelt: von den Solowezki-Inseln \u00fcber Uchta und das mittlere Petschoragebiet nach Workuta, wo er die letzten zwei Haftjahre verbrachte. W\u00e4hrend des Krieges geriet er an der Front in deutsche Gefangenschaft, konnte anschlie\u00dfend in Westdeutschland bleiben und ver\u00f6ffentlichte hier 1951 im russischen Emigrantenverlag \u201ePossev\u201c seine Hafterinnerungen (8). Dort schreibt er, dass bei den Gefangenen des Nordens Workuta vor allem wegen seines Ziegeleilagers gef\u00fcrchtet war. Bei ihm handelte es sich um ein besonderes Straflager abseits des allgemeinen Lagergebiets f\u00fcr H\u00e4ftlinge mit einer zus\u00e4tzlichen Strafe wegen \u201eAgitation\u201c, \u201eSabotage\u201c und anderem \u201esch\u00e4dlichen Verhalten\u201c im Lager. Die Verh\u00e4ltnisse dort waren um ein Mehrfaches schlechter als in anderen Straflagern; die H\u00e4ftlinge \u00fcberlebten kaum mehr als sechs Monate. Wer doch von dort zur\u00fcckkam, galt weiterhin als &#8222;Todeskandidat&#8220;. Besonders traurigen Ruhm erlangte das Ziegeleilager w\u00e4hrend der \u201eJeschowschtschina\u201c, auf die im folgenden Kapitel eingegangen wird.<\/p>\n<p>Das Leben in den Frauenlagern Workutas war ebenfalls durch extrem hohe Arbeitsanforderungen gekennzeichnet, au\u00dferdem oft durch dem\u00fctigende und entw\u00fcrdigende Behandlung der Inhaftierten. Marta Rudzka erinnert sich an ihr Lager, einen landwirtschaftlichen Betrieb f\u00fcr die Milch- und Fleischversorgung von Workuta:<\/p>\n<p>&#8222;Das Straflager Loch Workuta besteht aus einer Anzahl von Geb\u00e4uden, die planlos kreuz und quer auf einem steilen Flu\u00dfufer verstreut sind: Holzschuppen, Baracken, rasengedeckte Erdunterst\u00e4nde und riesige Zelte&#8230; (Unser) Zelt, das von weitem wie ein gro\u00dfer wei\u00dfer Pilz aussieht, ist in Wirklichkeit so etwas wie eine ungeheure Markise, die auf zwei R\u00e4ngen niedriger, mit Reisern bedeckter Bunker (Pritschen) sechzig Frauen beherbergt. Daneben enth\u00e4lt es einen kleinen eisernen Ofen und einen leckenden K\u00fcbel&#8230; die Luft ist stickig, riecht s\u00e4uerlich nach den Reisern unserer Betten und dem Rauch des feuchten Holzes, das im Ofen schwelt; die T\u00fcr h\u00e4ngt schief in ihrem h\u00f6lzernen Rahmen, und wenn man sie aufmacht, muss die \u00d6ffnung mit einer Zeltbahn verh\u00e4ngt werden, weil sonst mehr M\u00fccken als Luft hereinschwirren.&#8220;(S.131) \u201eDie H\u00e4lfte unseres Zeltes macht Heu und die andere schneidet Zweige. Die vorgeschriebene t\u00e4gliche Quote sind achtzig B\u00fcndel oder zwanzig Kilo pro Person, was ganz unm\u00f6glich ist. Die Str\u00e4ucher sind z\u00e4h und nass und unser Messer besteht aus einer alten Sichel, deren Ende mit einem Lumpen umwickelt ist. Man muss mit einem Busch f\u00f6rmlich k\u00e4mpfen, bis man ihm einen Zweig entrei\u00dft. Aber das Heuen ist vielleicht noch schlimmer. Die bescheidenen Wiesenflecken, die aus der rostroten Tundra herausgeschnitten sind, sind etwa vier Kilometer weit entfernt; da wir zum Mittagessen zur\u00fcck m\u00fcssen, machen wir den Weg viermal am Tag &#8211; sechszehn Kilometer mit schweren M\u00e4nnerstiefeln durch die Tundra &#8211; die uns aber nicht als Arbeitszeit angerechnet werden. Die Wiesen sind mit einer blutd\u00fcrstigen kleinen Fliege verseucht, die durch jedes Moskitonetz oder Kleidungsst\u00fcck eindringt. Die Frauen sind allabendlich durchweicht (denn es regnet t\u00e4glich), bluten vom Kampf mit dem Gestr\u00fcpp der Tundra und haben kreisf\u00f6rmige scharlachrote Fliegenstiche an Hals, Hand- und Fu\u00dfgelenken.<\/p>\n<p>Unsere Nahrung besteht morgens aus einem Hering und einem winzigen Br\u00f6tchen, mittags aus einer Suppe und einem d\u00fcnnen Brei von gefrorenen, s\u00fc\u00dflichen Kartoffeln, manchmal etwas Gerstengr\u00fctze, abends wieder aus einem Hering oder einem Mehlwasser mit ein paar harten Kl\u00f6\u00dfen darin. Mittags bekommen wir auch unsere Tagesration von feuchtem, dunklem, teigigem Brot, was eigentlich den Hauptteil unserer Ern\u00e4hrung ausmachte. Der Werktag beginnt um f\u00fcnf, so dass wir jeden Morgen um vier Uhr aufstehen m\u00fcssen. Aber nichtsdestoweniger ist um elf Uhr abends auf dem Hof drau\u00dfen Lagerappell&#8230;&#8220; (S.134)<\/p>\n<p>Marta Rudzka ist bald so ersch\u00f6pft und anhaltend krank, dass sie schlie\u00dflich in das Krankenlager Sangorodok verlegt wird, wo sie bis zu ihrer Abreise aus Workuta bleiben kann.<\/p>\n<p>Das Leben der Gefangenen wurde zus\u00e4tzlich dadurch erschwert, dass politische und kriminelle H\u00e4ftlinge nicht getrennt waren. Die Kriminellen wurden als \u201eVolksfreunde\u201c oft in leitende Funktionen in der Arbeits- und Lagerorganisation eingesetzt; sie traten arrogant auf und schikanierten die politischen \u201eVolksfeinde\u201c, ohne dass die Lagerverwaltung eingriff. (Erst 1948 erfolgte die Trennung beider Gruppen.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"5\">\n<li><strong>Der Hungerstreik 1936\/37 und die \u201eJeschowschtschina\u201c 1937\/38<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Im Mai 1951 veranstaltete die &#8222;Internationale Kommission zur Bek\u00e4mpfung des Konzentrationslagersystems&#8220; in Br\u00fcssel eine sechst\u00e4gige \u00f6ffentliche Verhandlung \u00fcber sowjetische Lager. Zu dieser Kommission hatten sich ehemalige KZ-H\u00e4ftlinge aus mehreren westeurop\u00e4ischen Nationen zusammengeschlossen, um gemeinsam gegen das Fortbestehen von Konzentrationslagern in verschiedenen Teilen der Welt \u00f6ffentlich aufzutreten. In Br\u00fcssel machten vor einer international zusammengesetzten Jury f\u00fcnfundzwanzig ehemalige GULAG-H\u00e4ftlinge ihre (vereidigten) Aussagen \u00fcber das sowjetische Lagersystem und ihre pers\u00f6nlichen Erfahrungen. Das Protokoll der Verhandlung wurde als &#8222;Wei\u00dfbuch \u00fcber die sowjetischen Konzentrationslager&#8220; in franz\u00f6sischer Sprache ver\u00f6ffentlicht; es liegt auch in deutscher \u00dcbersetzung vor (9).<\/p>\n<p>Von den f\u00fcnfundzwanzig Zeugen waren f\u00fcnf in Workuta inhaftiert, darunter ein deutscher Kriegsgefangener (von 1945 bis 1948). Im vorliegenden Zusammenhang sind die Aussagen des ukrainischen Literaturprofessors Boris Podolak wichtig, der von 1936 bis 1940 dort war und den ersten gro\u00dfen Streik in Workuta miterlebt hat. Es ist meines Wissens der einzige in deutscher Sprache vorliegende Zeitzeugenbericht; ansonsten gibt es nur wenige kurze Erw\u00e4hnungen in den in Deutschland ver\u00f6ffentlichten Beitr\u00e4gen zur GULAG-Geschichte (10).<\/p>\n<p><strong>Initiator des Hungerstreiks (nach vergeblich vorgetragenen Forderungen) war eine politisch aktive Gruppe von trotzkistischen H\u00e4ftlingen; ihrem Aufruf folgten andere Gefangene, und auch diejenigen, die sich nicht am Hungerstreik beteiligten, unterst\u00fctzten die Forderungen. Sie bezogen sich zun\u00e4chst auf die Arbeits- und Lebensbedingungen im Lager:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Trennung der politischen und kriminellen H\u00e4ftlinge,<\/strong><\/p>\n<p><strong>Anwendung des in der Sowjetunion bereits gesetzlich vorgeschriebenen Achtstunden-Arbeitstages auch auf die Lager,<\/strong><\/p>\n<p><strong>einheitliche Verpflegung unabh\u00e4ngig von der Normerf\u00fcllung,<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bezahlung der Arbeit und Einkaufsm\u00f6glichkeiten im Lager,<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bezug sowjetischer Zeitungen im Lager.<\/strong><\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus wurden auch allgemeine politische Forderungen erhoben, insbesondere die nach Aufl\u00f6sung der Moskauer Sondertribunale und Aufhebung ihrer Fernurteile.<\/p>\n<p>Ende Oktober 1936 begannen mehrere Hundert H\u00e4ftlinge (die genauen Zahlen differieren in den Quellen) mit dem Hungerstreik; sie blieben auf ihren Pritschen und verweigerten die Arbeit und Nahrung. Nach etwa einer Woche begannen die Lagerbeh\u00f6rden, die Streikenden mit Pferdekarren in ein Krankenlager zu bringen, wo \u00c4rzte versuchten, sie zwangsweise k\u00fcnstlich zu ern\u00e4hren. Die ersch\u00f6pften Gefangenen setzten dieser unangenehmen Prozedur keinen Widerstand entgegen, gaben aber ihren Streik nicht auf.<\/p>\n<p>Jedoch hielten nicht alle durch, einige starben, andere brachen vorzeitig den Hungerstreik ab. Nach Angaben Podolaks beendeten die letzten vierzig den Streik im Februar 1937; Solschenizyn nennt den M\u00e4rz als Streikende, nachdem in einem Telegramm aus Moskau die Erf\u00fcllung aller Forderungen der Streikenden zugesagt worden war &#8211; was dann allerdings nicht eingehalten wurde.<\/p>\n<p>Auch diejenigen, die sich nicht an der Protestaktion beteiligt hatten, mussten ab Jahresbeginn 1937 unfreiwillig hungern, weil offenbar im Winter die Versorgung des rasch expandierenden Lagersystems zusammengebrochen war. In Workuta begann eine anhaltende Hungersnot; Podolak berichtet dar\u00fcber: &#8222;Gegen April oder Mai&#8230; hatten 75% der H\u00e4ftlinge Skorbut. Die Leute hatten die Beine geschwollen und die Brust voller \u00d6deme. Nur der Einzug des Fr\u00fchlings brachte uns die Rettung. Anfang Juni begann in dieser Gegend ein wenig Kraut zu wachsen. Das war das erste Gr\u00fcn an den Ufern der Workuta, es war etwas, was wir \u201ewilden Lauch\u201c nennen. Ich erinnere mich, dass wir uns in Massen an die Ufer begaben, um dort etwas Gr\u00fcn zu holen. W\u00e4hrend der wilde Sauerampfer an Ort und Stelle gegessen wurde, sammelten wir den wilden Knoblauch in kleinen Paketen und vermischten ihn mit der Gr\u00fctze oder a\u00dfen ihn so, wie er war. Dadurch wurde die Mehrzahl von uns gerettet.&#8220; (S.47)<\/p>\n<p>Der Herbst 1937 brachte neue Schrecken: aus Moskau kam eine Kommission, die in den Lagern Massenverhaftungen vornahm. Ein Lagergef\u00e4ngnis wurde eingerichtet, in dem Vernehmungen stattfanden und zus\u00e4tzliche Haftstrafen sowie Todesurteile ausgesprochen wurden. Davon waren zuerst die Anf\u00fchrer und Aktivisten des Hungerstreiks betroffen, dann aber auch andere H\u00e4ftlinge. Die \u201eJeschowschtschina\u201c, der \u201eGro\u00dfe Terror\u201c jener Jahre unter dem NKWD-Chef Jeschow, w\u00fctete auch in den Lagern bei den bereits Inhaftierten. Die zum Tode Verurteilten, darunter auch Frauen, wurden nach Angaben Podolaks in das bereits erw\u00e4hnte Ziegeleilager gebracht und dort Anfang M\u00e4rz 1938 in mehreren Gruppen erschossen. Der Abschlussbericht der Moskauer NKWD-Kommission, der Mitte der neunziger Jahre in Russland ver\u00f6ffentlicht wurde, nennt die Zahl von 2.508 Hingerichteten (11) &#8211; das waren knapp siebzehn Prozent der \u00fcber 15.000 damals in Workuta lebenden H\u00e4ftlinge! (12) Diese Massenhinrichtungen sind als die \u201eKaschketinschen Erschie\u00dfungen\u201c in die GULAG-Geschichte eingegangen, benannt nach dem NKWD-Offizier Kaschketin, der die Hinrichtungskommission leitete. Er ist sp\u00e4ter selbst, wie sein oberster Chef Jeschow, ein Opfer der n\u00e4chsten S\u00e4uberungswelle geworden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"6\">\n<li><strong>Die Jahre des Krieges<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Der &#8222;Gro\u00dfe Vaterl\u00e4ndische Krieg&#8220; 1941-45 brachte f\u00fcr den GULAG allgemein und Workuta insbesondere erhebliche Ver\u00e4nderungen. Bereits kurz nach Kriegsbeginn ordnete das NKWD eine Reihe von Versch\u00e4rfungen des Lagerregimes an: Verl\u00e4ngerung der Arbeitszeit, K\u00fcrzung der Verpflegung, Verbot von Au\u00dfenarbeiten ohne begleitende Wachmannschaft, Ausschluss der politischen H\u00e4ftlinge von verantwortungsvollen T\u00e4tigkeiten, Verschiebung anstehender Entlassungen wegen Strafverb\u00fc\u00dfung auf das Kriegsende sowie erweiterte Eingriffsrechte der Lagerverwaltungen. Die politischen H\u00e4ftlinge, die bisher pauschal als \u201eTrotzkisten\u201c diffamiert worden waren, mussten jetzt als \u201eFaschisten\u201c noch st\u00e4rkere Diskriminierungen erdulden. Kriminelle konnten durch freiwilligen \u00dcbertritt in den Milit\u00e4rdienst der Lagerhaft entkommen, politische dagegen nur sehr schwer. Die Lager wurden wieder aufgef\u00fcllt mit neuen H\u00e4ftlingen aus den okkupierten ostpolnischen Gebieten und den baltischen Staaten sowie Sowjetb\u00fcrgern, die als Sympathisanten oder Agenten der Deutschen verd\u00e4chtigt wurden.<\/p>\n<p>Ende 1941 beunruhigten Ger\u00fcchte \u00fcber bevorstehende neue Massenhinrichtungen \u00e1 la Kaschketin die Gefangenen in der Region. Sie f\u00fchrten nicht in Workuta selbst, sondern in einem kleinen Au\u00dfenlager am Ufer der Ussa zu einem bewaffneten Massenausbruch. Seine Vorgeschichte und sein Verlauf sind aus ver\u00f6ffentlichten NKWD-Akten bekannt; Anne Applebaum hat diese Revolte als &#8222;in den Annalen des GULAGs einzigartig&#8220; geb\u00fchrend gew\u00fcrdigt (13). Die etwa 200 auf einem Holzumschlagplatz arbeitenden H\u00e4ftlinge beschlossen gemeinsam mit ihrem Lagerleiter, der selbst ehemaliger H\u00e4ftling war, ihr Schicksal in die eigenen H\u00e4nde zu nehmen und lieber als Rebellen zu sterben, denn als H\u00e4ftlinge hingerichtet zu werden. In einer sorgf\u00e4ltig vorbereiteten Aktion \u00fcberw\u00e4ltigten sie am 24. Januar 1942 die kleine Wachmannschaft ihres Lagers, \u00fcbernahmen die Waffen und zogen zum Rayonzentrum Ust-Ussa, wo sie die Radiostation und das Telegraphenamt besetzten. Aus dem \u00f6rtlichen Gef\u00e4ngnis befreite H\u00e4ftlinge schlossen sich den Aufst\u00e4ndischen an. In mehrt\u00e4gigen Gefechten mit herbeigeeilten Sondertruppen wurden sie in der Umgebung der Stadt nach und nach \u00fcberw\u00e4ltigt. Die meisten starben im Kampf, durch Selbstmord oder sp\u00e4tere Hinrichtung.<\/p>\n<p>Im August 1942 k\u00fcndigte die GULAG-Administration ein sch\u00e4rferes Vorgehen gegen \u201ekonterrevolution\u00e4re Erscheinungen\u201c jeglicher Art an; die Folge waren neue Vernehmungen, Festnahmen und Arreste in den Lagern. 1943 wurde eine noch h\u00e4rtere Variante der Lagerhaft eingef\u00fchrt und nach zaristischem Vorbild \u201eKatorga\u201c genannt. Diese wohl zuerst in Workuta eingerichteten Speziallager waren f\u00fcr besonders schwere Vergehen, insbesondere Landesverrat vorgesehen; die an ihrer Kleidung gekennzeichneten Katorga-H\u00e4ftlinge wurden nur zu schweren und gef\u00e4hrlichen Arbeiten herangezogen; Verpflegung und medizinische Betreuung waren noch schlechter als in anderen Straflagern und die Sterbeziffern waren entsprechend hoch. Solschenizyn hat diese Katorga &#8222;in die L\u00e4nge gezogenen offenen Mord&#8220; genannt (14).<\/p>\n<p>Mit der Besetzung des ukrainischen Donbass-Kohle-Reviers durch deutsche Truppen stieg die Bedeutung Workutas als Energielieferant im europ\u00e4ischen Russland weiter an; der Ausbau bestehender und die Anlage neuer Sch\u00e4chte wurde noch einmal forciert. Die Lagerpopulation in Workuta wuchs w\u00e4hrend des Krieges auf mehr als das Doppelte an: von 19.000 Anfang 1941 auf knapp 40.000 Anfang 1945 (15). Hinzu kamen Zwangsumgesiedelte, insbesondere Russlanddeutsche, die aus ihren Heimatgebieten in der Ukraine, an der Wolga und im Kaukasus vertrieben und in die kasachische Steppe, die sibirischen W\u00e4lder und in den hohen Norden deportiert worden waren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"7\">\n<li><strong>Ausblick<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Nach Kriegsende erf\u00fcllten sich die Hoffnungen der politischen Gefangenen nicht; es gab zwar einige Erleichterungen im Lager, aber Amnestien wieder nur f\u00fcr Kriminelle. Da dem GULAG-System eine bedeutende Rolle beim Wiederaufbau des kriegszerst\u00f6rten Landes zugewiesen wurde und daf\u00fcr noch mehr Kohle n\u00f6tig war, stieg auch in Workuta die Zahl der Lagerinsassen nach neuen Massenverhaftungen an: 1951 betrug sie 73.000 (16). Nach Stalins Tod scheiterten die politischen Gefangenen zun\u00e4chst mit ihren Freiheitsforderungen; der gro\u00dfe Streik in Workuta im Sommer 1953 wurde blutig niedergeschlagen. Es gab dann aber doch Hafterleichterungen und umfassende Amnestien, die auch den deutschen H\u00e4ftlingen die Freiheit brachten.<\/p>\n<p>Gegenw\u00e4rtig wird mit mehreren Publikationen, Tagungen und Ausstellungen an die ein halbes Jahrhundert zur\u00fcckliegende Schlussphase des GULAG-Systems, die Streiks und die Heimkehr der Gefangenen erinnert. Mit diesem R\u00fcckblick auf die Fr\u00fchzeit von Workuta sollen auch die Opfer der besonders harten Aufbaujahre des GULAGs in das Gedenken einbezogen wenden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anmerkungen<\/p>\n<p>1) Vgl. dazu: Sowjetische Milit\u00e4rtribunale. Band 1: Die Verurteilung deutscher Kriegsgefangener 1941-1953. Hrsg. von Andreas Hilger, Ute Schmidt und G\u00fcnther Wagenlehner. K\u00f6ln\/Weimar\/Wien 2001, insb. die Beitr\u00e4ge von Hilger S.93 ff. und 211 ff.<\/p>\n<p>2) Vgl. dazu: Sowjetische Milit\u00e4rtribunale. Band 2: Die Verurteilung deutscher Zivilisten 1945-1955. Hrsg. von Andreas Hilger, Mike Schmeitzner und Ute Schmidt. K\u00f6ln\/Weimar\/Wien 2003; insb. die Beitr\u00e4ge von Hilger S.663 ff. und Hilger\/Morr\u00e9 S.685 ff.<\/p>\n<p>3) Vgl. dazu Siegfried Jenkner: Erinnerungen politischer H\u00e4ftlinge an den GULAG. Eine kommentierte Bibliographie. Dresden 2003. Derselbe: Erinnerungen an Workuta &#8211; Ein Literaturbericht. In: Begegnungen in Workuta. Erinnerungen, Zeugnisse, Dokumente. Hrsg. von Jan Foitzik und Horst Hennig. Leipzig 2003, S.303 ff.<\/p>\n<p>4) Helmut Schaefer: Entstehung der subarktischen Gro\u00dfstadt. Workuta (Polarural). In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung \u201eDas Parlament\u201c. Bonn, Nr. BVII\/58 vom 19.2.1958.<\/p>\n<p>5) E.W.Markowa\/K.K.Wojnowskaja: Konstantin Genrichowitsch Wojnowskij-Krieger 1894-1979. Moskwa 2001.<\/p>\n<p>6) Aino Kuusinen: Der Gott st\u00fcrzt seine Engel. Hrsg. von Wolfgang Leonhard. Wien 1972.<\/p>\n<p>7) Marta Rudzka: Workuta &#8211; Weg zur Knechtschaft. Z\u00fcrich 1948.<\/p>\n<p>8) Michail Rosanow: Sawojewateli belych pjaten (Die Eroberer der wei\u00dfen Flecken). Limburg 1951.<\/p>\n<p>9) Internationale Kommission zur Bek\u00e4mpfung des Konzentrationslagersystems: Eine Welt hinter Stacheldraht. Wei\u00dfbuch \u00fcber die sowjetischen Konzentrationslager. D\u00fcsseldorf o.J.(1951).<\/p>\n<p>10) Vgl. dazu Alexander Solschenizyn: Der Archipel GULAG, Band 2. Bern\/M\u00fcnchen 1974, S.307 f.<\/p>\n<p>Ralf Stettner: &#8222;Archipel GULAG&#8220;: Stalins Zwangslager &#8211; Terrorinstrument und Wirtschaftsgigant. Paderborn 1996, S.346.<\/p>\n<p>Schwarzbuch GULAG. Hrsg. von I.W.Dobrowolski. Graz\/Stuttgart 2002, S.64 f.<\/p>\n<p>Anne Applebaum: Der GULAG. Berlin 2003, S.429.<\/p>\n<p>11) W.M.Poleschtschikow: Sa semju petschatjami. Is archiva KGB (Hinter sieben Siegeln. Aus dem Archiv des KGB). Syktywkar 1995, S.21.<\/p>\n<p>12) Obschtschestwo MEMORIAL: Sistema isprawitelno-trudowych lagereij w SSSR 1923-1960 (Gesellschaft MEMORIAL: Das System der Besserungs-Arbeitslager in der UdSSR 1923-1960). Moskwa 1998, S.192.<\/p>\n<p>13) Poleschtschikow, a.a.O., S.37-65. Applebaum, a.a.O., S.430-434.<\/p>\n<p>14) Alexander Solschenizyn: Der Archipel GULAG,3.Band. Bern\/M\u00fcnchen 1976, S.8.<\/p>\n<p>15) Obschtschestwo MEMORIAL, a.a.O., S.192.<\/p>\n<p>16) Obschtschestwo MEMORIAL, a.a.O., S.192.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Wasserweg von Archangelsk nach Workuta vor Fertigstellung der Eisenbahnlinie Kotlas &#8211; Workuta<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bild oben: Blick von der Abraumhalde des Schachtes 9\/10 in Workuta auf das unmittelbar angrenzende Lager; aufgenommen in der zweiten H\u00e4lfte der f\u00fcnfziger Jahre nach Aufl\u00f6sung des Straflagers. Im Hintergrund rechts das Lager und die Abraumhalde des Schachtes Nr.1 &#8222;Kapitalnaja&#8220;, links im Flussbogen das Elektrizit\u00e4tswerk TEZ1. (Die Aufnahme wurde 1998 aus Workuta mitgebracht von dem seinerzeit in diesem Lager inhaftierten Peer Lange.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung Workuta ist die in Deutschland wohl bekannteste \u201eInsel\u201c des \u201eArchipels GULAG\u201c, weil nach dem Zweiten Weltkrieg viele Deutsche in dieses Steinkohle-Revier in der nord\u00f6stlichen Ecke Europas zwischen Ural und Eismeer deportiert wurden und sp\u00e4ter dar\u00fcber berichtet haben. Bei ihnen handelte es sich zun\u00e4chst vor allem um Kriegsgefangene, die wegen angeblicher oder tats\u00e4chlicher Kriegs- undContinue reading &rarr;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":487,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[38,41],"tags":[44,43,42],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/quellen.geschichte.uni-leipzig.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/485"}],"collection":[{"href":"https:\/\/quellen.geschichte.uni-leipzig.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/quellen.geschichte.uni-leipzig.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/quellen.geschichte.uni-leipzig.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/quellen.geschichte.uni-leipzig.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=485"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/quellen.geschichte.uni-leipzig.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/485\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":497,"href":"https:\/\/quellen.geschichte.uni-leipzig.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/485\/revisions\/497"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/quellen.geschichte.uni-leipzig.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/487"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/quellen.geschichte.uni-leipzig.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=485"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/quellen.geschichte.uni-leipzig.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=485"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/quellen.geschichte.uni-leipzig.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=485"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}